Nur die Rechnung der Gäste ging auf

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Handball, Mitteldeutsche Oberliga: Anspruch und Wirklichkeit klaffen bei den Handballern des SV Hermsdorf aktuell weit auseinander. Am Sonnabend setzte es für die Mannschaft von Trainer Steffen Schreiber die vierte Saisonpleite im fünften Punktspiel.

Von Jens Henning

Hermsdorf. Gegen den Neuling NHV Concordia Delitzsch blamierten sich die Hermsdorfer in den zweiten 30 Minuten bis auf die Knochen. Sie warfen in 60 Minuten nur 17 Tore und kassierten 31 Treffer. Zur Pause führten die Sachsen schon 16:12. Bis zum 6:6 hielt der SVH mit, dann gelang Concordia ein 5:0-Zwischenspurt. Es war die höchste Heimpleite der Holzländer gegen einen Neuling der Mitteldeutschen Oberliga.

 

Nach dem Schlusspfiff war in den Gesichtern der Hermsdorfer Handballer große Ratlosigkeit auszumachen. Trainer Schreiber schickte seine Mannschaft sofort in die Umkleidekabine. Dort wurde eine Viertelstunde lang und hinter verschlossenen Türen geredet. Mannschaftskapitän Robert Zehmisch sagte nur: "Wir haben das Spiel analysiert. Es gab ja genügend aufzuarbeiten." Stefan Riedel war der Spieler, der nach der ungewöhnlichen Maßnahme als erster wieder in der Werner-Seelenbinder-Sporthalle erschien. Der Routinier, der sich im Sommer noch einmal überreden ließ, ein weiteres Jahr dran zu hängen, war enttäuscht. "Wir müssen uns nichts vormachen. Wir uns geht es einzig und allein um den Klassenerhalt in dieser Saison", sagte Riedel.

Wie desolat die Hermsdorfer am Sonnabend agierten, zeigten zwei Zahlen. In den zweiten 30 Minuten brachten die Hermsdorfer nur fünfmal den Ball im generischen Tor unter. Zwischen der 32. und 46. Minute gelang der Heimmannschaft nicht ein Treffer. Die Gäste aus Delitzsch, die davor mit ihren Siegen beim HC Burgenland und gegen den USV Halle überraschten, vergrößerten den Vorsprung auf 24:14.

Der Delitzscher Trainer Wladimir Maltsev sprach von einem optimalen Abend seiner Mannschaft. "Wir hatten uns drei Punkte vorgenommen. Die wollten wir umsetzen. Das haben wir geschafft", sagte Maltsev. "Wir wollten den Torjäger Triller stoppen. Wir wollten unsere Außen einsetzen. Und wir wollten Hermsdorf keine Chance geben zum Konterhandball." Und dann hatte Maltsev in seiner Analyse noch eine Schwäche der Hermsdorfer ausgemacht. "Ich wusste, dass die Hermsdorf ab der 40. Minute meist Probleme haben. Wenn wir bis dahin mithalten, haben wir eine Chance." Die Rechnung ging auf.

Während sich die Delitzscher mit ihrem dritten Sieg in Folge weiter nach oben orientieren können in der Tabelle, bleiben die Hermsdorfer mit einem Zähler im Tabellenkeller stecken. Nur der ESV Lok Pirna hat noch keinen Punkt bisher. Der Abstand zum Viertletzten beträgt schon drei Punkte.

Routinier Riedel nahm den Trainer in Schutz. "Raupe hat uns gut eingestellt. An ihm liegt es nicht, dass wir so oft verlieren. Wir sind als Mannschaft gefragt. Bei uns kann nicht ein Spieler allein, ein Spiel entscheiden. Das kann ich nicht, das kann auch Basti nicht. Wir können nur über das Team kommen", sagte Riedel. Die nächsten drei Partien bei Grubenlampe Zwickau (15. Oktober), gegen den Top-Favoriten HSV Bad Blankenburg (22. Oktober) und bei der HSG Freiberg (29. Oktober) lassen kein Platz zum Träumen.

Hat der aktuelle Kader der Hermsdorfer eigentlich die Qualität für die vierthöchste Spielklasse? Kapitän Zehmisch stellte sich der Frage und meinte: "Die aktuellen Ergebnisse sprechen eine andere Sprache." Riedel schob die Antwort an die Verantwortlichen in der Abteilung Handball weiter. "Das müssen andere Leute entscheiden. Wir können uns nur entschuldigen bei unseren Zuschauern. Ich hoffe, dass sie uns wie in den letzten Jahren auch die Treue halten." Dass die Hermsdorfer besseren Handball spielen können, beweisen die Trainingsabende. "Im Training sind wir in der Entwicklung schon weiter. Wir schaffen es halt noch nicht, diese Leistungen am Wochenende zu wiederholen", sagte Zehmisch.

Hermsdorf: Zehmisch, Nedved - Rudolph (3), Hüttenrauch, Reis (1), Triller (1), C. Schreiber (2), Riedel, Heilwagen (1), Ehm (2), Stojanov (5), Remde (2), Schreck.

(Quelle: OTZ/Jens Henning/04.10.2016)

   

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